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• "Auf Neverland" (Larry Nimmer, 2005)
• "Ein Fremder in Neverland" (Q. Allan Brocka, 2005)
• "Auf Neverland" (Larry Nimmer, 2005)
• "Wie fühlst du dich? " (Karen Faye, 2005)


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"Auf Neverland" (Larry Nimmer, 2005)

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit mit Michael Jacksons Team der Verteidigung zu arbeiten und Videos, Fotos und Beweismittel zu erstellen. Insbesondere produzierte ich eine kontroverse Video-Tour über die Neverland Ranch, die ich der Jury vom Zeugenstand aus vorführte. Ich wurde von dem Anwalt Robert Sanger aus Santa Barbara angeheuert. Zufällig kennen Sanger und sein Prozessgegner, Staatsanwalt Thomas Sneddon, beide meinen Vater, Professor Melville Nimmer, von ihrer Studienzeit an der UCLA Jurafakultät. Bob Sanger erzählte mir, dass er und Tom Mesereau gehofft hatten, dass die Jury Neverland besuchen würde, aber da der Richter diese Anfrage ablehnte, wollte er, dass ich eine Video-Tour als Unterstützung aufnahm. Ich empfand Bob Sanger als einen extrem fähigen und höflichen Anwalt. Während ich ihn in einigen angespannten Situation sah, behielt er immer seine Coolness und seinen feinen Sinn für Humor. Nachdem wir uns ein paar Mal am Telefon unterhalten hatten, traf ich ihn zum ersten Mal auf Neverland, zusammen mit Tom Mesereau. Zur angekündigten Tour erschien ich mit meiner Video- und Fotoausrüstung vor den Toren. Wie es bei Gästen, die das Grundstück üblich ist, unterschrieb auch ich ein dreiseitiges Dokument, dass ich keine Fotos oder private Dinge von ‚dem Eigentümer’ und seiner Familie veröffentlichen würde. Obwohl ja der Grund meines Daseins darin bestand, tatsächlich Fotos zu machen, unterschrieb ich das Schriftstück, da ich wusste, das hinter mir eine überzeugende rechtliche Gewalt stand die mich unterstützte, sollten mir Fragen gestellt werden. Ich würde Neverland als eine Kreuzung zwischen dem Montecito-Haus und Disneyland beschreiben. Das Anwesen war ursprünglich von einem Golfplatz-Entwickler gebaut worden, mit Seen, Rasenflächen, einem Haus im Tudor-Stil und Gästehäusern. Michael Jackson hat das Anwesen nicht signifikant verändert. Während die Hauseinrichtung ziemlich traditionell ist, sind der Vergnügungspark, der Zoo, die Arkade mit den Videospielen, das Kino, die Züge und die neckischen Statuen die sich auf dem Grundstück befinden schon eindeutig extraordinär. Meine Hauptaufgabe bestand darin, ein Video zu dokumentieren, das zeigt, wie es war, ein Besucher der Ranch zu sein. Bob Sanger führte mich kurz über das Anwesen und erlaubte mir dann, das Anwesen so zu beschreiben, wie ich es sah. Während er mir erzählte, dass die Anklage Neverland als einen bösen Ort charakterisiert hatte, bemühte er sich sehr, mir nicht zu sagen, wie ich es porträtieren sollte. Ich sollte einfach nur das Gefühl festhalten, dass ein Gast bei einem Besuch bekommen würde. Der Ranchmanager und der Sicherheitschef brachten mich, wohin immer ich auch wollte. Insgesamt besuchte ich die Ranch vier Mal. Das fertige Video war zwanzig Minuten lang. Während meine „Aufpasser“ mich in einem Golfwagen von Ort zu Ort brachten und mich in viele private Räume begleiteten, wurde mir aber auch erlaubt, mich frei zu bewegen. Obschon ich auf Neverland ‚Mr. Jackson’ nicht begegnete (ich traf ihn kurz im Gerichtssaal) oder seine Kinder sah, hörte ich sie oben im Haus spielen und sah ihr Spielzeug überall im Haus. Es gab auch viele Fotos von den Kindern im Haus, aber die Angestellten waren vorsichtig genug, sie zu entfernen, damit sie nicht in der Dokumentation auftauchten. Michael Jackson ist anscheinend sehr über die Aufrechterhaltung ihrer Privatsphäre besorgt. Wie die meisten Videos, die ich für das Gericht anfertigte, machte ich auch dieses ohne Ton, damit es dann im Zeugenstand entweder von ‚Mr. Jackson’ oder mit selbst vorgestellt werden konnte. Im Nachhinein war das Fehlen des Tones vielleicht ganz gut für uns, denn die einzige Sache, die ich an Neverland merkwürdig fand, war die Disneyland-ähnliche Musik, die die ganze Zeit aus den Lautsprechern klang, egal ob jemand da war, der sie hören konnte. Ich fragte mich, wie wohl die Kinder darauf reagieren mochten, dass sie Tag und Nacht spielte. Einen kleinen Ausschnitt separierte ich von dem Film da ihn Tom Mesereau eigentlich während seines Eröffnungsplädoyers vorführen wollte. Anscheinend hatte die Anklage ebenfalls Pläne gehabt, ein Video vorzuführen. Aber Richter Melville, der die Sache fest in der Hand hatte, benutzte eine Strategie die den Prozess beschleunigte und hatte einen Einfluss darauf, was wir nutzen konnten. Er sagte zu jeder Seite, dass sie mit der jeweils anderen die Videos, die sie zeigen wollten, tauschen musste. Nachdem sie alle angeschaut worden wären, konnte dann jede Seite gegen die Videos der jeweils anderen Seite Einspruch erheben, was dann aber auch bedeuten würde, dass sie selbst keine Videos benutzen dürfte. Mir wurde gesagt, dass die Anklage im letzten Moment Einspruch gegen unsere Neverland-Tour erhoben hatte, also zeigte keine Seite während der Eröffnungsplädoyers Videos. Wegen potentieller Veränderungen in letzter Minute war ich dennoch dort und hatte die Gelegenheit, Sneddon und Sanger zivil und spielerisch miteinander umgehen zu sehen, obwohl es der Tag vor Prozesseröffnung war.
Ich war auch von Thomas Mesereau sehr beeindruckt. Er ist sehr bescheiden und bodenständig und hat ein süßes Funkeln in seinen Augen. Er ist nicht die Art Anwalt, die einen für ihre Strategien ausbeutet. Er ist offen für alles und akzeptiert Vorschläge von mir, den Anwaltsassistenten und anderen um ihn, insbesondere seiner Partnerin, Susan Yu.
Tom besitzt eine unglaubliche Arbeitsethik und machtvolle Konzentration. Einmal bat er mich, Ausschnitte der Martin Bashir-Dokumentation anzusehen und nach Stellen zu suchen, die Michael Jackson als sympathischen Familienmenschen zeigten. Ich setzte mich also hin und machte mir wie verrückt Notizen während Tom drei Stunden lang in derselben Stellung verharrte, niemals die Augen vom Bildschirm abwandte und sich keine Störungen durch den um ihn stattfindenden „Krieg“ erlaubte. Während des Prozesses stand Tom jeden Morgen um drei Uhr früh auf um sich auf den Tag vorzubereiten und während ihn eine warme Menschlichkeit umgibt, hat er doch auch die leidenschaftliche Entschlossenheit seinen Klienten durch und durch zu repräsentieren. Tom nahm sich nicht einmal die Zeit, die Nachrichtensendungen über den Prozess zu verfolgen. Als ich ihn fragte, ob er den Schauspieler gesehen hätte, der ihn bei den E-Entertainment Prozessnachstellungen spielte, sagte er mir, dass er das nicht hätte, aber dass er eine Anzahl von Nachrichten von diesem Schauspieler bekommen hätte, der sein Sternzeichen wissen wollte. Mesereau, Yu und Sanger waren außerdem sehr kostenbewusst. Während sich unsere Gage von 100 Dollar pro Stunde sehr bescheiden anhört im Vergleich zu anderen Experten, ließen die Anwälte einige der geplanten Beweismittel nicht zu, da diese das „Budget überschreiten“ würden. Wir hatten keine Zeitachsen oder Diagramme produziert, aber wir machten ein paar übergroße Bilder, die die Jury während ihrer Beratungen nutzen konnte. An dem Tag, als ich in den Zeugenstand trat, hatte ich Michael Jackson immer noch nicht getroffen. Während ich darauf wartete, dass Larry King seinen Prozessbesuch abschloss, sah ich außerhalb des Warteraumes für Zeugen einen Pfadfinder auf dem Flur. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass es tatsächlich Michael Jackson war, der eine Pfadfinderähnliche Armbinde trug und auf dem Weg in die Herrentoilette war. Als er wieder herauskam, sagte er kurz „Hi“ zu mir. Der arme Kerl schien von Trauer und Angst überwältigt zu sein, aber er schien auch bescheiden und nett zu sein. Er ist größer als ich mir vorgestellt hatte und sein Gesicht sah ein bisschen wie eine Maske aus. Er ging schnell zum Aufzug zurück um zu verhindern, dass er mal wieder zu spät in den Gerichtssaal kam. Später, als ich im Zeugenstand saß und auf den Richter und die Anwälte wartete, die eine verfahrentechnische Angelegenheit entschieden, legte er seine Hände wie für ein Gebet zusammen und verbeugte sich kurz vor mir, als ich ihn quer durch den Raum grüßte.
Es war schwer vorstellbar, wie viel Geld für die Reportern aus der ganzen Welt ausgegeben wurde, ‚Himmelsständen’, provisorischen Geschäftsstellen, Mikrowellengeschirr und so weiter. Als ich in den Gerichtssaal ging, wurde ich gebeten, mein Handy in eine Plastikbox zu tun, in der wie es aussah mindestens hundert andere Handys lagen. Ich fragte mich, wie viele Besucher im Gericht am Ende des Tages ein falsches Handy zurückbekamen. Der Kontrast zwischen der Karnevalähnlichen Atmosphäre vor dem Gericht verglichen mit der stillen, kontrollierten Energie im Inneren des wohlbekannten Gerichtssaales von Santa Maria war dramatisch. Während ich bereits als Experte in vielen Prozessen ausgesagt hatte, erwartete ich bei diesem hier nervös zu sein. Aber mein Interesse war größer als meine Angst und ich liebte meinen Job. Sanger begann, befragte mich nach meinen Qualifikationen, wurde aber von der Verteidigung unterbrochen, die meinten, dass er meine Ausführungen vorschreiben würde. Ich glaubte, dass das ein guter Anfang war. Wir hatten vorhergesehen, dass die Anklage bei bestimmten Szenen von der Neverland Ranch Video Tour Einspruch erheben würde, also hatte ich zwei Versionen produziert. Wie erwartet, erhoben sie während der gesamten Tour Einspruch, aber der Richter entschied, dass wir die komplette Version spielen durften: „Ich habe ein Video wie dieses erahnt“, als er den Antrag eines Jury-Besuches auf der Ranch abgelehnt hatte. Eine Szene darin zeigte in langsamen Kamerafahrten die Bücher in Michaels privater Bibliothek. Es gab dort Bücher über Kindererziehung, dem Christentum, Filme und Kunst, unter anderen. Und während es ein paar seltsame Buchplatzierungen gab, wie beispielsweise Büchern über die „Three Stooges“ neben einem Michelangelo-Buch, erfüllte die Bücherei dennoch ihren Zweck. Wir hatten die Tatsache bestätigen wollen, dass dies ein gesunder Mann wäre, der viel mehr Bücher hatte, tausende, als die wenigen legalen Pornomagazine die sie in seinem Schlafzimmer gefunden hatten und von denen die Anklage angenommen hatte, dass sie auf dem Grundstück allgegenwärtig wären. Die andere wichtige Szene in dem Video war eine Notiz von Michaels Tochter, Paris. Mein Assistent Tom Friedman und ich waren in die private Küche auf Neverland eingeladen worden um dort zu essen und ein paar Aufnahmen zu machen. Während wir dort waren, bemerkte Tom einen Zettel auf einer Kreidetafel, direkt neben anderen Kindersachen, geschrieben in kindlicher Krakelschrift: „Gute Besserung, Daddy, ich liebe dich… Paris“. Dies unterstützte die warme Beziehung von Michael mit seiner Familie und verlieh ihnen eine Präsenz in diesem Video, obwohl sie tatsächlich nicht zu sehen waren. Die Anklage behauptete, dass die Szene gekünstelt wäre. Das zweite Video, das ich für den Prozess machte, war die Aufnahme eines Alarm-Testes in Michael Jacksons Schlafzimmer. Ich positionierte meine Kamera über Michaels Bett und ließ das Zimmermädchen in den unteren Teil des Schlafzimmers eintreten, was den Alarm auslöste. Dies widerlegte die Aussage des Bruders des Anklägers, der behauptet hatte, dass er Michael in seinem Schlafzimmer überrascht hatte als dieser seinen Bruder belästigte. Der Alarmtest zeigte, dass Michael hören konnte, wenn jemand den Bereich betrat, in dem er schlief. Tom Sneddon nahm mich wegen beider Videos ins Kreuzverhör. Seine Befragungen konzentrierten sich auf das Alarm-Test-Video. Er versuchte zu unterstellen, dass ich etwas verbergen würde, da ich den Test nicht zusätzlich mit einem Dezibelmessgerät aufgenommen hatte. Obwohl ich tatsächlich über die Benutzung eines solchen Gerätes nachgedacht hatte, entschied ich mich schließlich als nicht notwendig dagegen, da eine Dezibelmessung meiner Meinung nach für die Jury bedeutungslos wäre. Ich glaube nicht, dass sich Sneddon mit dieser Argumentation viele Punkte verschaffte. Ich war enttäuscht, dass während des Abspielens des Videos jemand im Publikum ausgerechnet an der Stelle hustete, als der Alarm kurz zu hören war, was ihn irgendwie abschwächte. Es war aber wichtig, dass der kurze Alarm gut hörbar war. Ich erfuhr später, dass jemand gehustet hatte, der der Anklage sympathisch gegenüberstand. Die einzige Reaktion die ich von Michael über meine Aussage hörte war, dass er Bob Sanger gesagt hatte, dass er mir hätte ein Dezibelmessgerät bezahlen können. Ich verließ den Zeugenstand und fühlte mich gut, als mir Laurie Levenson vom Publikum aus zuwinkte. Das Zuckerhäubchen auf dem Kuchen war dann noch, als mir einer von Michaels Bodyguards anbot, mich in Michaels SUV spazieren zu fahren. Die Kameras der Fotografen klickten als ich in das Auto kletterte. Es war schön zur Abwechslung einmal auf der anderen Seite des Geschehens zu stehen. Und da, auf dem Sitz direkt neben mir, stand Michaels Picknickkorb, gefüllt mit allen möglichen Leckereien.

Larry Nimmer ist Geschäftsführer von Nimmer Legal Graphics of Carinteria, California (www.nimmer.net). Seine Firma ist auf die Herstellung von wichtigen Beweismitteln für außergerichtliche Einigungen und Prozessgebrauch spezialisiert.

 

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