Als Michael Jackson angeklagt wurde, sagte irgendetwas in meinem Innern, dass der wahrscheinlich Schuldig war. Schade, denn ich hatte es genossen, dass er in den letzten Jahren so abgedreht geworden war. Da ich selbst Zeit meines Lebens verrückt war, hielt ich es für klasse, eine ähnlich talentierte Berühmtheit im Club zu wissen. Aber ein Kinderschänder? Nicht die Art von Begleitung, die ich mir in diesem Club wünschte.
Ich beließ es dabei und dachte nicht weiter darüber nach.
Als die Auswahl der Jury begann, bat mich die Dokumentationsfirma World of Wonder, zusammen mit meinem Partner einen Film über die Fans zu drehen, die nach Santa Maria, Kalifornien, zogen, um Jackson während des Prozesses zu unterstützen. Brillant! Die Geschichten zu erzählen, die andere Leute schlicht als „merkwürdig“ betiteln, ist genau mein Ding!
Aber als ich begann, den Fall zu untersuchen fand ich es schwierig die Fakten aus den Reportagen herauszulesen. Glaubwürdige Nachrichten-Organisationen schossen mit Wörtern wie „verrückt“ und „Michael“ in ihren Berichterstattungen um sich und konzentrierten sich darauf, wie er aussah, seine Stimme und sein Verhalten. Diese Impfung auf seine Rasse und sein Geschlecht erinnerten mich daran, wie weit wir tatsächlich noch von der Akzeptanz nicht nur von Sexualität sondern auch von körperlicher und geschlechtlicher Verschiedenheit entfernt waren.
Ich überdachte meine anfängliche Intuition noch einmal. Warum hatte ich gedacht, dass er „wahrscheinlich Schuldig“ wäre? Ehrlich? Weil ich glaubte, dass er ein verkappter Schwuler wäre. Und dann – Schnapp! – hatte ich von ganz alleine den Sprung vom verkappten Schwulen zum Pädophilen gemacht. Dabei handelt es dabei um eine der fundamentalsten Lügen die benutzt werden um die Homosexuellenfeindlichkeit aufrecht zu erhalten, und ich war irgendwie darauf hereingefallen.
Bei den Hausdurchsuchungen von Neverland in den letzten zehn Jahren waren nichts außer zwei Kunstbüchern und ein bisschen Hetero-Porno-Zeug aufgetaucht. Dieser Prozess könnte enden und nichts bewiesen haben, außer dass Michael Jackson heterosexuell ist. Was, wenn sie ein Video von Falcon gefunden hätten oder einfach nur eine Kopie des Advokaten? Ist es nicht eine beängstigende Vorstellung, dass solche Gegenstände als Beweismittel benutzt werden können, dass jemand ein Kinderschänder ist? Von beidem besitze ich eine Menge.
Letzte Monat filmte ich eine junge Frau, die sich auf seinem Heimatweg Jacksons SUV näherte. Sie kämpfte mit Krebs und hatte Angst, dass die Anschuldigung Jacksons, einen 13-jährigen Krebspatienten belästigt zu haben, ihn vielleicht davon abhalten könnte, jemals wieder in die Öffentlichkeit zu kommen. Aber Jackson hielt ganz fest ihre Hand und machte ihr Mut, während sie ihm von bevorstehenden Knochenmarkstransplantationen erzählte. Seine einfache Geste bedeutete für sie die Welt. Während seine eigene Familie auf dem Spiel steht, nimmt sich Jackson immer noch Zeit anderen Leuten einen Gefallen zu tun. Jeden Tag.
Nachdem wir wochenlang die Fans vor Neverland gefilmt hatten, lud Michael Jackson uns alle auf sein Grundstück ein. Wir waren ungefähr 70 Leute, in einer Altersklasse von 10 bis 80 Jahren. Unsere Kameras zurücklassend, gingen wir mit den Fans bis hoch zum Portal und Michael kam heraus, um uns zu begrüßen. Er stellte uns seine Kinder vor: Prince, Paris, und Prince II. (a.k.a. Blanket). Die Kinder winkten und die Menge schrie: „Wir lieben euch!“
Einmal drinnen, sah ich mir die Gesichter an, die mich umgaben; viele davon kamen mir so vertraut vor. Ich wusste, was dieser Moment für sie bedeutete. Ich wusste, dass sie alle in genau diesem Augenblick den Höhepunkt ihres Lebens erlebten.
Und dann wurde mir plötzlich klar: so ging es mir auch.
Auf Neverland kamen wir mit Michael, seinen Kindern und seinen Eltern in Kontakt, die sich bemühten, so vielen Leuten wie nur möglich persönlich zu danken. Er lächelte gnädig als ich an ihm vorbeiging und alles was mir zu sagen einfiel war: „Thank you for the music“. Später verfluchte ich mich. Ich hätte alles sagen können, aber ich zitierte ausgerechnet ABBA gegenüber dem King of Pop.
Seit diesem Tag bin ich nicht mehr in der Lage, diese Erfahrung zu beschreiben ohne zu denken, dass ich mich wie ein Wahnsinniger anhöre. Die Glückseligkeit war überwältigend. Tränen stiegen mir in die Augen. Es war beinahe etwas Spirituelles dabei, ich fühlte mich gütiger, viel großzügiger, ein besserer Mensch. Ich sah die Leute um mich herum an, schwindlig vor Aufregung, und schließlich sah ich, was sie alle gemeinsam hatten: Michael Jackson holte das Beste aus ihnen heraus.
Meine Freunde sagen, ich hätte eine Gehirnwäsche bekommen, von Michael. Ich verteidige Jacksons Fall, wann immer es geht. Aber es war letztendlich nicht nur Neverland, es war auch die Realisierung, dass Homosexuellenfeindlichkeit und Sexismus eine so große Rolle in den Augen der Öffentlichkeit spielten, dass er „wahrscheinlich Schuldig“ erschien.
Wie auch immer das Urteil letztendlich ausfallen wird, zwei Dinge weiß ich jetzt. Nummer Eins: Michael Jackson hat so viel von sich selbst überlassen um anderen zu helfen, dass durch ihn tausende Leute besser geworden sind. Und zweitens: Michael Jackson ist ein amerikanischer Staatsbürger. Nur einer dieser Punkte reicht aus um klarzustellen, dass er als unschuldig zu gelten hat, bis das Gegenteil bewiesen wird. Gebt ihm seine Chance vor Gericht.